Gegen Diktatur - Demokratischer Widerstand in Deutschland

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Widerstand und Opposition in der DDR
Widerstand von Studenten
  Wolfgang Natonek
   
  Wolfgang Natonek (1919–1994) in Leipzig als Sohn eines Publizisten geboren, der als Gegner der Nationalsozialisten 1933 emigrieren muss. Unter großen Schwierigkeiten kann Natonek 1938 das Abitur ablegen. Er nimmt das Studium der Veterinärmedizin auf. Nach drei Semestern wird er einberufen, aber 1940 als "wehrunwürdig" wieder entlassen. Er wird zur Zwangsarbeit verpflichtet. In Leipzig kann er drei geflohenen sowjetischen Kriegsgefangenen helfen, sich bis Kriegsende zu verstecken.
Den Sieg der Alliierten erlebt Natonek als Befreiung aus einer erdrückenden Zwangsherrschaft. Er tritt in die LDP ein und schreibt sich an der Leipziger Universität für Deutsch und Englisch ein. Für die LDP wird er Anfang 1947 zum Vorsitzenden des Studentenrates gewählt. Versuchen der SED, ihn für ihre Politik zu gewinnen, erteilt er eine Absage.
Natonek ist einer der wichtigsten und bekanntesten Repräsentanten der Studenten in der gesamten SBZ. In seinem Redebeitrag auf dem Wartburgfest der deutschen Studentenschaft erklärt er 1948, die Wissenschaft müsse sich frei von jeder politischen Beeinflussung bewegen können, gleichwohl habe der Wissenschaftler ein politisch bewusster Mensch zu sein. Bitter charakterisiert er die Zulassungspolitik der SED wenig später: Wenn 1937 die nicht-arische Großmutter ein Studium verhindert habe, so sei es 1947 die nicht-proletarische, die dieselbe Wirkung habe.
Trotz der Verwarnungen sowjetischer Behörden lässt sich Natonek zu den Studentenratswahlen 1948 wieder aufstellen. Auf Betreiben der SED wird er von sowjetischer Geheimpolizei am 11. November 1948 verhaftet. Er wird im März 1949 von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Erst 1956 öffnen sich die Gefängnistore. Er verlässt die DDR und beginnt ein Philologiestudium in Göttingen.
 

Wolfgang Natonek

Forderung nach Freilassung Wolfgang Natoneks in der für den illegalen Vertrieb in der DDR hergestellten sozialdemokratischen Zeitschrift



geändert am: Dienstag, 5. Februar 2013     © 2013 Gedenkstätte Deutscher Widerstand