Gegen Diktatur - Demokratischer Widerstand in Deutschland

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Widerstand und Opposition in der DDR
Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
  Proteste von DDR-Künstlern gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
   
  Die Ausbürgerung Wolf Biermanns wird zur Ursache dafür, dass sich erstmals seit vielen Jahren prominente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gemeinschaftlich gegen eine Entscheidung der SED stellen. Neben den Schriftstellern Jurek Becker, Sarah Kirsch, Christa Wolf, Volker Braun, Franz Fühmann, Stephan Hermlin, Stefan Heym, Günter Kunert, Heiner Müller, Rolf Schneider, Gerhard Wolf und Erich Arendt unterzeichnet der Bildhauer Fritz Cremer die Erklärung am 17. November 1976, zieht seine Unterschrift indes kurz darauf wieder zurück. In den folgenden Tagen schließen sich mehr als 90 Künstler dem Protest an, die unstreitig zur Elite des DDR-Kunstschaffens zählen: unter ihnen der Regisseur und Maler Jürgen Böttcher, die Schauspielerinnen und Schauspieler Jutta Hoffmann, Katharina Thalbach, Manfred Krug, Käthe Reichel, Eva-Maria Hagen, Angelika Domröse, Hilmar Thate, Eberhard Esche, Armin Müller-Stahl, Frank Beyer, die Musiker Gerulf Pannach, Thomas Schoppe, Reinhard Lakomy, Ulrich Gumpert, die Schriftsteller Karl-Heinz Jakobs, Reimar Gilsenbach u. v. a. m.

"Wolf Biermann war und ist ein unbequemer Dichter, – das hat er mit vielen Dichtern der Vergangenheit gemein.
Unser sozialistischer Staat, eingedenk des Wortes aus Marxens '18. Brumaire', demzufolge die proletarische Revolution sich unablässig selbst kritisiert, müßte im Gegensatz zu anachronistischen Gesellschaftsformen eine solche Unbequemlichkeit gelassen nachdenkend ertragen können.
Wir identifizieren uns nicht mit jedem Wort und jeder Handlung Biermanns und distanzieren uns von dem Versuch, die Vorgänge um Biermann gegen die DDR zu mißbrauchen. Biermann selbst hat nie, auch nicht in Köln, Zweifel darüber gelassen, für welchen der beiden deutschen Staaten er bei aller Kritik eintritt.
Wir protestieren gegen seine Ausbürgerung und bitten darum, die beschlossene Maßnahme zu überdenken."

Gegen die Unterzeichner des Briefes eröffnet die SED eine breite Medienkampagne, ohne dass der Brief auch nur ein einziges Mal in der DDR veröffentlicht wird. Einige der Unterzeichner, darunter Jürgen Fuchs und Gerulf Pannach, werden festgenommen, andere verlieren ihre Stellung. Viele der Unterzeichner sind SED-Mitglieder und werden nun aus der Partei ausgeschlossen. Innerhalb eines Jahres verlassen 30 bekannte Künstler die DDR.
Besonders hart gehen SED und Staatssicherheit gegen jene Unterstützer Biermanns vor, die nicht durch ihre Prominenz geschützt sind. Allein vom 17. bis zum 21. November 1976 werden 40 Menschen festgenommen, unter ihnen viele Angehörige oppositioneller Gruppen in Jena.
 

Der Schriftsteller Jurek Becker (1937–1997) wächst als Sohn jüdischer Eltern im Ghetto von Lodz auf. Mit seinem Roman

Christa Wolf

Stefan Heym

Der Maler und Dokumentarfilmregisseur

Manfred Krug

Entlassung Eva-Maria Hagens durch das DDR-Fernsehen, weil sie sich weigert, sich von Biermann zu distanzieren
Berlin, 7. Dezember 1976

In einem Brief an Erich Honecker protestiert Eva-Maria Hagen gegen ihre Entlassung
Berlin, 10. Dezember 1976 (2 S.)

Die Schauspielerin Eva-Maria Hagen, Wolf Biermann und die Schauspielerin Käthe Reichel
Berlin, 1966



geändert am: Dienstag, 5. Februar 2013     © 2013 Gedenkstätte Deutscher Widerstand